Ehrverletzende Fotomontagen müssen im Gesamtzusammenhang bewertet werden

Urteils des BGH vom 30.9.2003, Az.: VI ZR 89/02
Satirische Fotomontagen, die möglicherweise das allgemeine Persönlichkeitsrecht des Dargestellten verletzen, müssen in ihrer Gesamtheit bewertet werden. Andernfalls könnte einzelnen Teilen der Schutz der Kunstfreiheit versagt werden mit der Folge, dass die gesamte Satire unzulässig wäre. Eine derart „sezierende Betrachtungsweise” würde den Gestaltungsspielraum des Äußernden in grundrechtswidriger Weise verengen. Es ist bereits zweifelhaft, ob die geringfügige Veränderung des Gesichts des Klägers diesen überhaupt in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt. Jedenfalls darf die Fotomontage entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts nicht in ihre Einzelteile zerlegt werden, sondern ist wie die Wortsatire im Gesamtzusammenhang zu bewerten. Der Kläger ist hierauf zwar möglicherweise weniger vorteilhaft abgebildet als auf dem verwendeten Ausgangsfoto. Die damit verbundene Beeinträchtigung seines allgemeinen Persönlichkeitsrechts muss er aber hinnehmen. Insoweit ist auch zu berücksichtigen, dass die Fotomontage im Zusammenhang mit einem Artikel veröffentlicht wurde, der sich mit einem Vorgang von großem öffentlichen Interesse beschäftigte.