Vollständigkeitsklausel in einem Bauvertrag

BGH-Beschluß vom 26.02.2004, Aktenzeichen VII ZR 96/03.

Häufig werden in Bauverträgen sogenannte Vollständigkeitsklauseln verwendet. Diese sollen sicherstellen, dass durch eine angebotene Leistung auch sämtliche Nebenleistungen preislich erfaßt und vergütet werden. Der BGH hatte sich mit folgender Klausel auseinander zu setzen:

Die Angebots- und Vertragspreise gelten für die fertige Leistung bzw. Lieferung frei Bau einschließlich Abladen und Verpackung. Für die angebotenen Leistungen übernimmt der Auftragnehmer die Verpflichtung der Vollständigkeit, d. h. Leistungen und Nebenleistungen, die sich aus den Positionen  zwangsläufig ergeben, sind einzukalkulieren, auch wenn sie im Leistungsverzeichnis nicht ausdrücklich erwähnt sind. Der Bieter wird ausdrücklich angehalten, sich vor Kalkulation des Angebots von der Situation an Ort und Stelle zu informieren. Nachforderungen aufgrund unberücksichtigter Schwierigkeiten werden grundsätzlich nicht  anerkannt.

Der BGH stellte fest, dass diese Klausel zumindest in Satz 1 grundsätzlich wirksam sei. Diese beinhalte nur die Verpflichtung, bei einer im Leistungsverzeichnis enthaltenen Position auch die notwendigen Neben- und Teilarbeiten kalkulatorisch vollständig zu berücksichtigen. Diese Klausel sei jedoch nicht etwa so auszulegen, dass auch das Risiko von Änderungen der ausgeführten Massen beim Auftragnehmer liege. Ist in einem Bauvertrag diese Klausel enthalten, so gehen Massenänderungen zu Lasten des Auftraggebers. Aufgrund dessen sei die Klausel in Satz 1 wirksam.

Bedenken hatte der BGH jedoch, ob die Sätze 3 und 4 dieser Klausel einer Inhaltskontrolle durch die gesetzlichen Regelungen zu allgemeinen Geschäftsbedingungen  standhalten würde, da diese eine umfassende Verpflichtung des Auftragnehmers zur Besichtigung der Baustelle  beinhalten würde und die Ansprüche des Auftragnehmers bei Erschwerungen der Leistung, ob vorhersehbar oder nicht, einschränken würde. Da dies jedoch keine Streitfrage des vorliegenden Rechtsstreits war, ließ der Bundesgerichtshof diese Frage letztendlich offen.